Willkommen beim ASV Maximiliansau!

Was bewegt uns, einen Fisch zu fangen?

Wenn wir ehrlich sind…wir wissen es nicht. Manche sagen, dass –wenn wir die Natur in all Ihrer Pracht genießen wollten- uns doch einfach zurücklehnen und diese doch einfach nur beobachten müssten? Aber ganz so einfach ist diese Sache nicht.

Vor einiger Zeit hatte ich Besuch von Mitgliedern eines wichtigen Naturschutzbundes. Der Grund hierfür war, dass ich diesen um Hilfe gerufen hatte, weil ich mehrere Hornissennester auf dem Dachfürst hatte und um Unterstützung zur Umsiedelung bat, denn immerhin bietet dieser Naturschutzbund diesen Service grossmundig auf seiner Website an. Helfen konnten mir diese Leute nicht, denn eigentlich wussten sie über diese an sich friedliebenden Tiere weniger Bescheid als ich selbst und man verweigerte mir die Unterstützung mit dem lapidaren Spruch: „Die kommen nächstes Jahr nicht wieder“. Was natürlich falsch und so unwahr wie die Aussage auf deren Website war.

Was deren Gemüter aber sehr erhitzte (noch mehr als die Hornissen und hunderte Wespen, die für unsere beiden kleinen Kinder eine reale Lebensgefahr darstellten, denn immerhin flogen dutzende von diesen in unseren Kinderzimmern herum), das war der Anblick einiger Angelruten welche sie durch eine offene Kellertür erspähen konnten. Das wiederum erschien diesen selbsternannten Ordnungshütern wie ein gefundenes Fressen und so musste ich mir unzählige Vorwürfe anhören und zynische Provokationen gefallen lassen. Hierbei war der Vorwurf der Tierquälerei noch der harmloseste. Entgegen meiner Natur habe ich in dieser Situation nicht die Fasson verloren (denn ich befand mich auf einem Terrain auf welchem ich mich sehr gut auskannte), sondern lud die beiden Menschen zu einem guten Kaffee und einer leckeren französischen Butter Brioche ein… diese Sache wollte ich ausdiskutieren, denn meine Neugier war groß und ich wollte erfahren, was diese Leute dazu veranlasste, solche militanten Ansichten zu vertreten. Zeitweise hatte man den Eindruck, diese Leute würden Tiere eher mögen, als Menschen.

Mich interessierte vor allen Dingen, wie der Zugang zu deren bevorzugten Tierart vonstatten ging, wie war das damals in deren Kindheit? Und siehe da, die erste Fledermaus und auch der erste Vogel wurden –wie Kinder das manchmal in ihrer Unwissenheit halt so machen- mit dem Schmetterlingskescher oder ganz einfach etwas grob mit der Hand gefangen. In kurzer Gefangenschaft konnte man diese putzigen Tierchen dann ganz genau beobachten, und siehe da… eine Passion war geboren. Vielleicht war der Unterschied zu uns Anglern in der Ausführung dieser Passion dann nur dadurch begründet, dass man die Fledermaus nicht essen konnte und das Vögelchen viel zu lieb dreinschaute um es zu verspeisen? Womöglich hätten diese Kinder damals auch das ausprobiert, was übrigens jedes Kind eines Naturvolkes instinktiv getan hätte. So wie ich auch –damals eher widerwillig- mein erstes grätenreiches Rotaugeverspeist habe. Es soll ja sogar Menschen geben, welche Zander, Forellen und Lachse essen… aber irgendjemand muss diese ja fangen, insofern man nicht diese faden, fetten und schwabbeligen Tiere aus Pellet verseuchten Aufzuchtfarmen bevorzugt, welche ein recht kurzes Leben in Gefangenschaft „geniessen“ dürfen und die man dann kostengünstig im Supermarkt kaufen kann.

Jedenfalls verdanke ich die Ausübung meines geliebten Hobbys meinem Vater, welcher mich –weil ich während meiner Schulferien im französischen Rhonetal (leer)aus Langeweile meine Familie terrorisierte- an einen wunderschönen und mit Seerosen überzogenen See mitnahm und mir eine primitive Angelrute in die Hand drückte. Nach wenigen Minuten fing ich mit einem kleinen Stück Weißbrot als Köder ein kleines Rotauge. Ich wusste nicht wie mir geschah und mit großen Augen bewunderte ich diesen glitzernden Fisch, den mein Vater anschließend behutsam in einen großen und mit Wasser gefüllten Eimer setzte, wo ich diesen noch minutenlang beobachten konnte, bevor wir ihm aus Mitleid wieder die Freiheit schenkten.

Dieser Augenblick hat mein ganzes Leben verändert. Und schon Minuten später fiel mir auf, dass da zwischen den Seerosenblättern noch viel größere Fische patroullierten.

Aber mein Vater vermutete, dass diese wohl „unfangbar“, weil extrem schlau seien. Hätte er das bloß nicht gesagt. Denn genau diese Aussage ließ meine Motivation ins unermessliche aufflackern und aus mir wurde letztendlich ein ehrgeiziger und passionierter Angler.

Später dann nahm ich um mich herum nicht nur die Fische wahr, sondern auch die absonderlichsten Insekten, quirlige Wasservögel, scheue und auch neugierige Nagetiere und das Rauschen der Blätter im Wind. So fing ich (leer)plötzlich an, mich nicht nur für die Fische, sondern auch für die Natur und die Geschehnisse um mich herum zu interessieren.

Und nun stehe ich mit meinen Kindern am gleichen See, an dem auch mein Abenteuer damals begann (leer)und freue mich, wie sie die Zeit in der freien Natur genießen und abends friedlich, ausgeglichen und –vor allen Dingen glücklich- ins Bett sinken.

Zwischenzeitlich fällt mir die Ausübung meines Hobbys noch leichter, weil durch die Modernisierung der Angeltechniken ein wesentlich fischschonenderer Fang möglich ist, als das früher der Fall war.

Begeisterte und seriöse Angler informieren sie sicher gerne über unser Hobby. Scheuen sie sich nicht, uns Fragen zu stellen.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, unser Hobby, unsere Passion und den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. Dies ist wesentlich verantwortungsvoller, als Kinder in beengtem Raum und in einer virtuellen Welt verkümmern zu lassen. Das glauben wir nicht nur, das wissen wir auch. Auch ältere Angler haben ihre Kinder immer wieder an unsere Vereinsgewässer mitgenommen. Und aus diesen Jugendlichen wurden mittlerweile Erwachsene, die sich nun für waidgerechtes Angeln und um die Hege und Pflege der Natur einsetzen.

 

Pascal Miguet

Schriftführer des ASV MAXIMILIANSAU